Die Ziegenlämmer werden 5 Monate nach dem Decken geboren. Eine Ziege bekommt im Durchschnitt Zwillinge, manchmal Einlinge bzw. Drillinge, selten Vierlinge und mehr; erfahrungsgemäß sind 1/3 der Ziegenlämmer weiblich und 2/3 männlich. Lammzeit ist in den Monaten Januar bis Mai. „Osterlämmer“ sind Ostern geboren oder Ostern schlachtreif.

Die Zicklein werden nach der Geburt von den Ziegenmüttern getrennt. Jetzt sind die Bindungen von Ziege und Lamm noch wenig ausgeprägt. Eine Trennung nach Tagen oder Wochen könnte bis zur Futterverweigerung auf beiden Seiten führen. Bei einer frühen Trennung gewöhnen sich die Zicklein gleich an den Züchter, der sie immer füttert. Mehrlinge lassen sich so einfacher aufziehen. Die Ziegen lassen sich meistens problemlos vom Züchter melken. Vom Instinkt her wissen die Ziegen, dass nach dem Lammen das Zicklein, in diesem Fall der Züchter, an das Euter geht. Außerdem liegt ein weiterer Vorteil der frühen Trennung in der Wirtschaftlichkeit; nach 8 Tagen kann man bereits mit dem Verkäsen der Ziegenmilch beginnen.

Die 40°C warme Milch wird den kleinen Lämmern in Schüsseln gereicht, sie brauchen keine Nuckel, und dürfen 2mal pro Tag satt saufen. 8 Tage bekommen die Zicklein die Biestmilch der Mütter. Dann werden sie auf Milchaustauscher umgestellt. Ein spezielles Milchpulver für Ziegenlämmer wird in warmes Wasser eingerührt. Nach ein paar Tagen knabbern die Zicklein das erste Heu, nach einer Woche versuchen sie schon Kälbermüsli.

Nachdem sich die Zicklein an den Milchaustauscher gewöhnt haben werden Zucht- und Schlachtlämmer getrennt. Zuchtlämmer sind grundsätzlich alle weiblichen Lämmer und 2 bis 3 Bocklämmer, die voraussichtlich zur Körung geeignet sind. Alle anderen Bocklämmer sind Schlachtlämmer.

Bei den Zuchtlämmern wird die Tränkemenge bis auf 1 Liter pro Mahlzeit bzw. 2 Liter pro Tag gesteigert. Darüber hinaus müssen die Zicklein Wasser, Heu und Kälbermüsli fressen.

Ziegen und Ziegenböcke gibt es von Natur aus mit und ohne Hörner. Weibliche Ziegenlämmer werden im Alter von 14 Tagen enthornt, d.h. nach einer örtlichen Betäubung durch den Hoftierarzt wird der Hornansatz entfernt. Hornlose Ziegen schonen den Stall, verletzen sich gegenseitig und den Züchter weniger. Sofort nach dem Enthornen sind die Zicklein genau so zutraulich wie vorher.


Die Zuchtlämmer bekommen nach 12 Wochen nur noch feste Nahrung, wie Heu und eine Getreidemischung. Sobald es dann wärmer wird, dürfen sie auf die Weide.



Die Geschlechtsreife beginnt im Alter von 4-5 Monaten. Spätestens jetzt sind die weiblichen und männlichen Tiere zu trennen. Die Jungböcke beginnen in dieser Zeit bereits zu treiben. Sie können schon zur Zucht eingesetzt werden.Der Landesverband der Ziegenzüchter für Westfalen und Lippe e.V. führt Anfang August die Körung der Jungböcke mit anschließender Versteigerung durch.Die Zuchtreife liegt bei den Jungziegen bei etwa 7-8 Monaten. Man sagt, eine Ziege soll ein Jahr alt sein, wenn sie lammt.Im Juni auf einer Verbandsschau werden die Jungziegen ins Herdbuch aufgenommen.


Die Schlachtlämmer werden nach der Umstellung auf Milchaustauscher an den Nuckel gewöhnt. Jetzt kommen sie im großen Laufstall an den Tränkeautomaten. Je nach Bedarf werden rund um die Uhr kleine Mengen Milchaustauscher frisch und warm automatisch angerührt.



Mit zunehmendem Alter trinken die Lämmer bis zu 3 Liter pro Tag. Außerdem wird den Lämmern Wasser, Heu und Kälbermüsli als feste Nahrung angeboten. Das Fleisch junger Lämmer, die überwiegend Milch zu sich nahmen, ist hell. Je mehr feste Nahrung aufgenommen wird, umso dunkler wird das Fleisch. Die Schlachtlämmer werden oft nur 10 Wochen alt. Bocklämmer sollte man spätestens mit 4 Monaten, auf jeden Fall aber vor der Geschlechtsreife, der Schlachtung zuführen. Um ganzjährig Ziegenlammfleisch anzubieten, können die Böcke kastriert werden. Auch kann man im Herbst das Decken einzelner Ziegen herauszögern, um später geborene Lämmer zu erhalten. Im Alter von 12 Wochen werden die Lämmer abgesetzt, d. h. sie bekommen keine Milch bzw. keinen Milchaustauscher mehr. Jetzt wird nur noch Getreide, Heu und Wasser gefüttert.


Die Ziegen gehören der Rasse „Weiße Deutsche Edelziege“ (WDE) an. Im Alter von ca. einem Jahr, nach der 1. Trächtigkeit, werden die Ziegen gemolken; zweimal am Tag, 7 Tage die Woche. Die Ziegen lammen in der Herde, möglichst aber unter Aufsicht des Züchters, der bei Komplikationen eingreift, die Abstammung notiert und die Lämmer gleich kennzeichnet.
Zunächst erhalten die Zicklein Halsbänder mit entsprechenden Anhängern. Später müssen sie bis zum 42. Lebenstag im rechten Ohr tätoviert werden.Alle Milchziegen sind Herdbuchtiere, d.h. sie haben Abstammungspapiere, welche die Angaben über Eltern und Großeltern mit deren Leistung enthalten. Die Milchleistung der Ziegen wird monatlich geprüft. Außer der Milchmenge werden anhand einer Probe die Inhaltsstoffe wie Fett und Eiweiß festgestellt.
Im Sommer laufen die Ziegen über Tag auf der Weide, nachts sind sie in Laufställen auf Stroh untergebracht. Neben Heu, das ganzjährig gefüttert wird, bekommen die Ziegen im Stall ihr Getreidefutter, d.h. eine Mischung aus geschroteter Gerste und Hafer mit etwas Sojaschrot und Mineralstoffe angereichert.



Wichtig ist vor allem bei milchgebenden Tieren der Salzleckstein und frisches Wasser. Im Winter bleiben die Tiere im Stall. Während dieser Zeit werden gehackte Runkeln gefüttert. 2-3 mal im Jahr sind die Ställe auszumisten. Der Mist dient zur Düngung der Felder. Gerste, Hafer, Runkeln und Heu werden selbst erzeugt.


Der Melkstand wird täglich zweimal benutzt. 6 Ziegen können gleichzeitig gemolken werden. An jeder Seite finden 16 bzw. 18 Ziegen Platz. Im Gitter werden sie fixiert und von hinten gemolken.



Als tägliche Ration und zum Locken bekommen die Ziegen im Trog ihr Kraftfutter, d.h. ein Milchleistungsfutter extra abgestimmt für Ziegen, das 2:1 mit Getreide zu füttern ist. Die Getreidemischung wird im Stall angeboten. Im Durchschnitt gibt eine Ziege pro Tag 3-4 Liter Milch, d.h. 1.000 Liter im Jahr, bei ca. 300 Melktagen. In den Abstammungspapieren wird nur die Milchleistung von 240 Tagen ausgewiesen wegen der einfacheren Vergleichbarkeit. 6 Wochen vor dem Lammen werden die Ziegen trocken gestellt. Notfalls wird 8 Tage nur Heu und Wasser gefüttert. Diese Ruhephase brauchen die Ziegen für sich und ihre Lämmer. Die saisonale Brunst und die „Trockenzeit“ ist der Grund für wenig bzw. keine Ziegenmilch im Winter.


Der Ziegenbock steht ganzjährig im Stall. Das ermöglicht eine kontrollierte Zucht. Es wird mit zwei gekörten Böcken im Wechsel gezüchtet, so dass für die Töchter eines Bockes immer fremdes Blut zur Verfügung steht. Ein Bock wird demnach jährlich, aber nach jeweils zwei Zuchtjahren ausgetauscht. Die Ziege ist sehr saisonal brünstig, d.h. im Herbst, von August bis Dezember. Während dieser Zeit macht der Bock durch Meckern und penetranten Geruch auf sich aufmerksam. Durch grundloses, auffälliges Meckern, Wedeln mit dem Schwanz, geröteter Scheide und verklebten Schwanz zeigt die Ziege ihre Deckbereitschaft an. Im allgemeinen führen wir die Ziege noch am selben Tag dem Bock zu. Das nennt man „Sprung aus der Hand“. Nach dem Decken kommt die Ziege sofort in die Herde zurück. Die Brunst dauert 2-3 Tage. Hat die Ziege nicht aufgenommen, setzt die Brunst nach ca. drei Wochen wieder ein. Ziegen tragen fünf Monate.